Glaubenssätze aus der Kindheit sind prägend
Die ersten 7 Lebensjahre prägen unser gesamtes Leben.
In dieser sensiblen Phase entwickeln wir grundlegende Gefühle von Sicherheit, Bindung und Selbstwert. Erfahrungen aus dieser Zeit – besonders Bindungsängste – können sich tief in unserem System verankern.
Viele Menschen fragen sich später im Leben:
„Warum reagiere ich so stark?“
„Warum habe ich immer wieder dieselben körperlichen Symptome?“
Aus ganzheitlicher und systemischer Sicht können unverarbeitete emotionale Erfahrungen aus der Kindheit Einfluss auf unser körperliches und seelisches Wohlbefinden haben.
👉 Wichtig: Diese Zusammenhänge müssen nicht bestehen, sie können aber bestehen. Jeder Mensch ist individuell.
Die Rolle der ersten 7 Lebensjahre
In den ersten sieben Jahren sind wir besonders offen und verletzlich.
Wir übernehmen Glaubenssätze, Emotionen und Bindungsmuster meist unbewusst – vor allem durch unsere engsten Bezugspersonen.
Negative Glaubenssätze aus der Kindheit
Glaubenssätze entstehen häufig durch wiederholte Aussagen oder Erfahrungen wie:
- „Das wirst du nie lernen.“
- „Du bist zu dumm.“
- „Du bist zu dick.“
- „Du machst immer alles falsch.“
Diese Sätze prägen nicht nur unser Denken, sondern werden gemeinsam mit den dazugehörigen Gefühlen gespeichert – oft tief im Körpergedächtnis.
Im Erwachsenenalter geraten wir mit diesen alten Gefühlen in Resonanz, wenn ähnliche Situationen auftreten.
Wir reagieren dann manchmal „übermäßig“ oder „unerklärlich“, ohne zu wissen warum.
Übung 1: Rückblick in deine Kindheit (achtsam & freiwillig)
⚠️ Bitte mache diese Übung nur, wenn du dich stabil fühlst – und breche sie jederzeit ab, wenn es zu viel wird. Sorge gut für dich oder hole dir Unterstützung.
Nimm dir einen ruhigen Moment und beantworte folgende Fragen schriftlich:
- Gibt es einen negativen Glaubenssatz aus deiner Kindheit, der dir sofort einfällt?
- Welches Gefühl löst dieser Satz in dir aus?
(z. B. Angst, Wut, Traurigkeit, Scham) - Welche Bilder oder Erinnerungen tauchen auf?
✍️ Mache dir kurze Notizen – gehe nicht tief in die Gefühle hinein.
Reflexion:
- Tauchen diese Gefühle heute noch auf?
- In welchen Situationen?
- Erkennst du mögliche Zusammenhänge?
Allein das bewusste Erkennen kann bereits entlastend wirken.
Bindungsängste – ein zentrales Thema der Kindheit
Bindungsängste entstehen häufig in den ersten Lebensjahren.
Sie sind Schutzmechanismen, die damals wichtig waren – im Erwachsenenalter jedoch belastend sein können.
Beispiel:
Ein Kind verliert früh eine wichtige Bezugsperson.
Es entwickelt unbewusst die Angst, erneut jemanden zu verlieren.
Im Erwachsenenalter kann sich das zeigen als:
- starkes Klammern
- Verlustangst
- Eifersucht
- Angst vor Nähe oder Verlassenwerden
Übung 2: Gab es frühe Bindungsverluste?
Spüre ehrlich in dich hinein und beantworte nur das, was sich für dich stimmig anfühlt:
- Hast du früh einen Elternteil verloren?
- Kennst du deine Eltern?
- Hast du eine sehr nahestehende Person verloren (z. B. Großmutter, Nanny, Tante)?
- War der Verlust plötzlich oder ein längerer Prozess?
- Wurdest du kindgerecht aufgeklärt?
- Konntest du dich verabschieden?
👉 Spüre bei jeder Frage in deinen Körper.
Dein Körpergefühl ist oft ehrlicher als dein Verstand.
Nicht verarbeitete Abschiede & Seelenanteile
Ein früher Verlust kann so tief gehen, dass ein Teil der eigenen Lebensfreude „mitgegangen“ ist.
Typische Hinweise können sein:
- Gefühl von innerer Leere
- Verlust der Lebensfreude
- „Ich bin nicht mehr derselbe Mensch wie früher“
Auch das ist nichts Ungewöhnliches – und du bist damit nicht allein.
Mögliche Lösung:
Ein nachträgliches Abschiedsritual kann helfen, wieder in die eigene Kraft zu kommen – selbst wenn die Person schon lange verstorben ist.
Übung 3: Gibt es einen Abschied, der noch fehlt?
- Gibt es in deinem Familiensystem jemanden, von dem du dich innerlich nie verabschieden konntest?
- Spürst du beim Gedanken daran eine emotionale Reaktion?
Manche Abschiede lassen sich auch Jahre später noch heilsam nachholen.
Trennungserfahrungen in der Kindheit
Auch vorübergehende Trennungen können Bindungsängste auslösen, z. B.:
- längerer Krankenhausaufenthalt von Mutter oder Kind
- frühe Fremdbetreuung ohne stabile Bezugsperson
- Weggeben aus familiären Gründen
- emotional nicht verfügbare Eltern
Fragen zur Selbstreflexion:
- Wie alt warst du?
- Hast du Erinnerungen?
- Welche Gefühle tauchen heute noch auf?
Schwangerschaft & Geburt – oft unterschätzt
Bindungsängste können bereits vor der Geburt entstehen:
- Hatte deine Mutter starke Ängste oder Sorgen?
- Gab es einen Schock oder traumatische Erlebnisse?
- War die Schwangerschaft belastend?
- Wie verlief deine Geburt?
Geburtstraumata sollten professionell (psychotherapeutisch) begleitet werden.
Wenn die Mutter emotional nicht verfügbar war
Manchmal war die Mutter körperlich anwesend – aber seelisch gebunden an:
- einen früheren Verlust
- ein verstorbenes Kind
- schwere Schicksalsschläge
Kinder spüren das – ohne es zu verstehen.
Die Lösung liegt hier oft im Erkennen und Verstehen der Situation der Mutter.
Dieses Bewusstsein kann viel inneren Frieden bringen – für beide Seiten.
Können Bindungsängste Krankheiten verursachen?
Aus ganzheitlicher Sicht können unverarbeitete emotionale Themen Einfluss auf Symptome haben.
👉 Sie müssen es nicht – aber sie können es.
Unsere Zellen speichern Erfahrungen.
Das ist kein Fehler, sondern ein Schutzmechanismus.
Wenn diese alten Muster heute hinderlich sind, können sie gelöst werden – z. B. durch:
- Familienaufstellungen
- systemische Arbeit
- Rituale
- bewusste innere Prozesse
Fazit
Du musst nicht alles alleine tragen.
Viele deiner Reaktionen haben einen guten Grund.
✨ Es gibt immer einen Weg – und oft beginnt er mit dem Erkennen.
Wenn du spürst, dass alte Glaubenssätze oder Bindungsängste dich belasten, kann eine Aufstellung oder begleitete Arbeit sehr unterstützend sein. 💛
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