Identifikationen mit Ahnen auflösen – wenn wir ein fremdes Schicksal tragen
Viele Menschen spüren tief in sich, dass etwas in ihrem Leben „nicht stimmig“ ist.
Sie kämpfen mit Krankheiten, wiederkehrenden Beziehungsmustern oder schweren Lebensphasen – ohne eine erkennbare Ursache.
In der systemischen Arbeit zeigt sich häufig: Wir tragen manchmal Schicksale oder Gefühle unserer Ahnen, ohne es zu wissen.
Was bedeutet eine Identifikation mit einem Ahnen?
In jedem Familiensystem wirken unsichtbare Bindungen. Aus tiefer Loyalität kann ein Nachfahre unbewusst das Schicksal eines Vorfahren übernehmen – besonders dann, wenn dieser vergessen, ausgeschlossen oder stark belastet war.
Diese Identifikation geschieht nicht aus Schwäche, sondern aus Liebe und Zugehörigkeit.
Doch was einst dem System diente, kann im heutigen Leben zu Einschränkung führen.
Wie zeigen sich übernommene Ahnenlasten im Alltag?
Typische Anzeichen für eine Identifikation mit einem Ahnen können sein:
- Gefühle wie Traurigkeit, Schuld oder Angst ohne persönlichen Anlass
- Wiederholende Schicksale innerhalb der Familie
- Chronische Krankheiten ohne klare Ursache
- Ein starkes Pflicht- oder Verantwortungsgefühl
- Das Gefühl, „nicht das eigene Leben zu leben“
Oft sagen Betroffene:
„Es fühlt sich an, als würde ich etwas tragen, das nicht zu mir gehört.“
Warum entstehen diese Identifikationen?
Besonders häufig entstehen Verstrickungen, wenn es in der Ahnenlinie gab:
- frühe Todesfälle
- Kriegserlebnisse
- ausgeschlossene Familienmitglieder
- schwere Schuld oder Scham
- nicht betrauerte Verluste
Das Familiensystem strebt nach Ganzheit. Wird jemand vergessen, übernimmt oft ein Nachfahre stellvertretend dessen Last.
Wie kannst du herausfinden, ob du mit einem Ahnen identifiziert bist?
- Ehrliche Selbstreflexion
Frage dich:
- Gehört dieses Gefühl wirklich zu meiner Lebensgeschichte?
- Wann begann dieses Muster?
- Kenne ich ähnliche Schicksale in meiner Familie?
- Blick in die Ahnenlinie
Sprich mit Familienmitgliedern, recherchiere Biografien, achte auf Tabuthemen.
- Körperliche Wahrnehmung
Der Körper trägt oft mehr Wahrheit als der Verstand. Achte auf Schwere, Enge oder emotionale Reaktionen bei bestimmten Themen.
Kleine Übung zur ersten Klärung
Setze dich ruhig hin und sprich innerlich oder laut:
„Liebes Familiensystem, ich bin bereit zu erkennen, was zu mir gehört – und was nicht.“
Beobachte, was sich zeigt: Bilder, Gefühle, Widerstände.
Diese Übung ersetzt keine Aufstellung oder Biographiearbeit, kann aber erste Hinweise geben.
Ahnenlasten lösen durch Familienaufstellung
In einer systemischen Familienaufstellung werden diese unbewussten Identifikationen sichtbar.
Der Nachfahre kann die Last achtsam zurückgeben, den Ahnen würdigen und wieder seinen eigenen Platz einnehmen.
Oft berichten Klienten von:
- innerer Erleichterung
- neuer Lebensenergie
- Klarheit über den eigenen Weg
Dein Leben darf deins sein
Die Arbeit mit den Ahnen ist kein Zurückblicken aus Schuld, sondern ein Schritt in die Freiheit.
Wenn du erkennst, was nicht zu dir gehört, entsteht Raum für Gesundheit, Selbstbestimmung und inneren Frieden.
Konkrete Übungen & Impulse:
Übung 1: Gehört das wirklich zu mir? (Selbstklärung)
Anleitung:
Nimm dir einen MOMENT der RUHE und stelle dir innerlich folgende Fragen:
- Wann ist dieses Gefühl / dieses Thema das erste Mal in meinem Leben aufgetaucht?
- Gab es in meiner Kindheit einen konkreten Auslöser?
- Oder fühlt es sich älter an – „schon immer da“?
👉
Gefühle, die keinen biografischen Ursprung haben, weisen häufig auf systemische Zusammenhänge hin.
Übung 2: Der Körperscan (sehr wirksam & unterschätzt)
Der Körper reagiert oft ehrlicher als der Verstand.
Anleitung:
- Denke an dein belastendes Thema (z. B. Krankheit, Beziehung, Geld).
- Dann sprich innerlich:
„Ich übernehme dieses Thema bewusst für mich.“
- Danach:
„Dieses Thema gehört möglicherweise zu einem meiner Ahnen.“
Beobachtung:
- Wo entsteht Enge, Schwere oder Erleichterung?
- Verändert sich die Körperempfindung?
👉 Systemische Lasten fühlen sich oft schwer, fremd oder nicht stimmig an.
Übung 3: Die Ahnenspur erkennen
Reflektier und frage dich:
- Gibt es in meiner Familie:
- frühe Todesfälle?
- schwere Schicksale?
- ausgegrenzte Personen?
- Krieg, Verlust, Schuld, Migration?
- Wiederholt sich etwas auffällig?
👉 Nicht jeder Ahne wirkt belastend – aber ungelöste Schicksale suchen oft Ausdruck.
Übung 4: Der innere Satztest (systemisch sehr kraftvoll)
Anleitung:
Der Leser spricht nacheinander diese Sätze (laut oder innerlich):
- „Ich ehre dein Schicksal.“
- „Ich lasse das, was zu dir gehört, bei dir.“
- „Ich nehme mein eigenes Leben an.“
👉 Beobachte:
Welche Sätze fallen schwer? Wo stockt die Stimme?
Das sind oft Hinweise auf Identifikationen.
Tiefe Identifikationen lassen sich meist nicht allein lösen.
Eine systemische Familienaufstellung schafft einen sicheren Raum, um diese Dynamiken sichtbar und heilbar zu machen.
Ich unterstütze dich auch gerne bei einer Biographiearbeit.
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