Warum wir unsere Eltern würdigen sollten – auch wenn es schwerfällt

 

Viele von uns tragen unsichtbare Lasten aus der Familie mit sich.

Vielleicht bist du aufgewachsen mit einem Elternteil, den du nicht verstehen konntest, oder mit dem Gefühl, nicht wirklich gesehen oder geliebt zu werden.

Vielleicht kennst du einen Elternteil gar nicht. Spätestens in der Erwachsenenwelt tauchen diese alten Erfahrungen oft wieder auf – manchmal als innere Konflikte, manchmal sogar als körperliche Symptome.

Doch warum ist die Beziehung zu unseren Eltern – auch innerlich – so mächtig? Und wie können wir lernen, sie zu würdigen, ohne uns selbst zu verleugnen?

 

Die unsichtbare Kraft der Eltern

 

In der systemischen Familientherapie, wie sie etwa von Bert Hellinger entwickelt wurde, gilt:

Eltern geben uns das Leben. Egal wie sie waren, das Leben kommt durch sie.

Wenn wir einen Elternteil ablehnen, verachten oder innerlich „nicht annehmen“, entsteht oft eine innere Spaltung:
Ein Teil von uns möchte den Elternteil ausblenden, ein anderer Teil bleibt unbewusst mit ihm verbunden. Dieses Spannungsfeld kann sich auf vielerlei Weise zeigen – emotional, psychisch oder sogar körperlich.

 

Nicht-Würdigung ist nicht gleich Hass

 

Würdigung bedeutet nicht, dass wir alles gutheißen, was unsere Eltern getan haben. Es geht auch nicht um moralische Bewertungen. Es geht um die innere Anerkennung der Tatsache, dass sie uns das Leben geschenkt haben.

Wer einen Elternteil ablehnt, lehnt unbewusst auch einen Teil von sich selbst ab. Diese unbewusst unterdrückte Trauer, Wut oder Sehnsucht suchen oft einen Ausdruck, manchmal durch psychosomatische Symptome oder wiederkehrende Muster in Beziehungen.

 

Wie sich Nicht-Würdigung zeigen kann

 

Chronischer innerer Stress und ungelöste Loyalitätskonflikte können sich auf vielfältige Weise bemerkbar machen:

  • innere Unruhe, Ängste, depressive Verstimmungen
  • körperliche Symptome wie Verspannungen, Schmerzen oder Erschöpfung
  • wiederholte Beziehungskonflikte oder Selbstsabotage
  • das Gefühl, „nicht vollständig zu sein“ oder „nicht zu wissen, wo man hingehört“

Besonders das Nicht-Kennen eines Elternteils oder das Leben in geheimnisumwobenen Familienstrukturen kann Identitätskrisen und offene Fragen verstärken und ein Gefühl von Bodenlosigkeit erzeugen.

Würdigung bedeutet: Annehmen ohne Verzeihen zu müssen

 

Die gute Nachricht: Wir müssen niemandem vergeben oder alles gutheißen, was geschehen ist. Würdigung heißt schlicht, anzuerkennen, dass wir durch diesen Menschen Leben erhalten haben.

Innere Würdigung kann so aussehen:

  • „Du bist meine Mutter / mein Vater – und ich akzeptiere, dass das mein Leben geprägt hat.“
  • „Ich lasse die Verantwortung für deine Entscheidungen bei dir.“
  • „Ich nehme an, dass meine Existenz durch dich möglich wurde, auch wenn unsere Beziehung schwierig ist.“

 

Systemische Arbeit kann Türen öffnen

 

Familienaufstellungen oder andere systemische Methoden bieten einen sicheren Raum, um diese inneren Konflikte sichtbar zu machen. Manchmal reicht schon das sichtbare Aufstellen, um Spannungen zu lösen und inneren Frieden zu finden – ohne dass man die Vergangenheit ändern muss.

Es ist ein Weg, alte Loyalitäten zu erkennen, Trauer zuzulassen und einen Teil von uns selbst wieder in die eigene Mitte zu holen.

 

Fazit

 

Unsere Eltern zu würdigen bedeutet nicht, dass wir ihre Fehler gutheißen. Es bedeutet, das Leben anzuerkennen, das wir durch sie erhalten haben, und die Verantwortung für ihre Entscheidungen bei ihnen zu lassen.

Wer diesen Schritt wagt, spürt oft mehr innere Freiheit, Klarheit und Lebendigkeit. Und manchmal zeigt sich der Effekt sogar körperlich: Spannungen lösen sich, Schlaf und Wohlbefinden verbessern sich, und man kann sich selbst besser fühlen – ohne alte Schuldgefühle und ohne die Last unbewusster Konflikte.

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