Soll ich bleiben oder gehen?

Wie eine Aufstellung bei einer schwierigen Lebensentscheidung Klarheit schaffen kann

Manchmal wissen wir, dass sich etwas verändern soll – aber noch nicht, was genau.

 

Bleiben oder gehen?

Das vertraute Zuhause behalten oder neu anfangen?

Einen Ort verlassen, der sich nicht mehr richtig anfühlt – oder ihm noch eine Chance geben?

Solche Entscheidungen können uns lange beschäftigen. Besonders schwierig wird es, wenn der Verstand viele Möglichkeiten sieht, aber das eigene Gefühl keine eindeutige Antwort gibt.

Genau mit dieser Frage kam eine Klientin zu mir.

Sie wollte durch eine systemische Aufstellung im Einzelsetting herausfinden, ob es für sie an der Zeit war, ihr Haus zu verlassen – oder ob sie dort bleiben sollte.

Die Aufstellung brachte keine schnelle Ja-oder-Nein-Antwort.

Sie zeigte etwas viel Wertvolleres:

Die Zeit für eine Veränderung war vielleicht noch nicht reif. Und gleichzeitig durfte eine neue Vision entstehen.

Hinweis: Die folgende Fallgeschichte ist zum Schutz der Privatsphäre anonymisiert und in einzelnen Details verändert. Die beschriebenen Wahrnehmungen sind persönliche Erfahrungen der Klientin und stellen keine objektive oder wissenschaftlich belegte Aussage über Energien oder historische Orte dar.

 

Wenn sich das eigene Zuhause plötzlich nicht mehr wie Zuhause anfühlt

Unser Zuhause ist normalerweise ein Ort, an dem wir uns sicher und geborgen fühlen möchten.

Doch manchmal verändert sich unser Verhältnis zu einem Haus.

Man kommt nach Hause und fühlt sich nicht mehr richtig wohl.

Man hat das Bedürfnis, etwas zu verändern.

Oder vielleicht sogar den Gedanken:

„Ich gehöre hier nicht mehr her.“

So ging es meiner Klientin.

Sie lebte in einem Haus, das sie zunehmend als belastend empfand. Besonders die Geschichte der Umgebung beschäftigte sie.

In der Nähe befand sich eine ehemalige KZ-Außenstelle. Ein Gedenkstein erinnerte an die Menschen, die dort während der NS-Zeit leiden mussten.

Die Klientin nahm diese Geschichte sehr intensiv wahr. Sie hatte das Gefühl, von der Vergangenheit und der Atmosphäre des Ortes belastet zu sein.

Immer wieder entstand in ihr der Wunsch, sich von ihrem Haus zu trennen.

Gleichzeitig hatte sie Visionen davon, wie sie eigentlich leben wollte.

Nur war noch nicht klar, wo dieser neue Lebensort sein sollte.

 

Die eigentliche Frage war nicht nur: „Bleiben oder gehen?“

Auf den ersten Blick schien die Entscheidung einfach:

Bleiben oder wegziehen?

Doch wenn man genauer hinsieht, gibt es bei einer solchen Entscheidung sehr viel mehr Möglichkeiten.

Vielleicht möchte man das Haus verkaufen.

Vielleicht möchte man in ein anderes Haus ziehen.

Vielleicht in einen anderen Ort.

Vielleicht das bestehende Haus behalten und zusätzlich eine Wohnung kaufen.

Vielleicht einen Zweitwohnsitz schaffen.

Vielleicht das Haus später an die Kinder weitergeben.

Oder vielleicht entsteht eine völlig neue Idee, an die man bisher noch gar nicht gedacht hat.

Deshalb entschied ich mich in diesem Fall für eine Tetralemma-Aufstellung.

 

Was ist eine Tetralemma-Aufstellung?

Wenn du noch nie eine Aufstellung erlebt hast, klingt der Begriff „Tetralemma“ vielleicht kompliziert.

Im Grunde geht es darum, eine Entscheidung nicht nur aus zwei Möglichkeiten zu betrachten.

Statt lediglich zu fragen:

„Bleibe ich?“ oder „Gehe ich?“

werden vier Perspektiven betrachtet:

Das Eine

Die erste Möglichkeit.

In diesem Fall:

Ich bleibe in meinem Haus.

Das Andere

Eine alternative Möglichkeit.

Zum Beispiel:

Ich verlasse mein Haus und beginne an einem anderen Ort.

Beides

Was wäre, wenn beides möglich wäre?

Vielleicht das Haus behalten und gleichzeitig einen neuen Lebensmittelpunkt aufbauen.

Keines von Beiden

Was wäre, wenn die Lösung weder im bisherigen Zuhause noch in der zunächst gedachten Alternative liegt?

Dadurch entsteht ein größerer Denk- und Erfahrungsraum.

Und manchmal liegt genau dort die überraschende Lösung.

 

Warum arbeiten wir mit Sesseln?

Im Einzelsetting arbeite ich gerne mit Sesseln als Stellvertretern.

Die Sessel werden im Raum aufgestellt und stehen jeweils für eine bestimmte Möglichkeit oder Position.

In diesem Fall stellte die Klientin vier Sessel auf.

Jeder Sessel bekam eine Bedeutung:

  • das Eine
  • das Andere
  • Beides
  • Keines von Beiden

Anschließend durfte die Klientin nacheinander Platz nehmen.

Dabei ging es nicht darum, eine rationale Entscheidung zu treffen.

Vielmehr durfte sie beobachten:

Was passiert in mir, wenn ich hier sitze?

Wie fühlt sich mein Körper an?

Wird es eng oder weit?

Entsteht Ruhe?

Widerstand?

Freude?

Unruhe?

Leichtigkeit?

Manchmal tauchen Bilder oder Gedanken auf. Manchmal sind es nur sehr feine körperliche Empfindungen.

Diese Wahrnehmungen können Hinweise geben, die wir im Alltag überhören, weil unser Kopf ständig versucht, eine Entscheidung logisch zu begründen.

Wichtig ist dabei: Körperliche Empfindungen sind persönliche Signale. Sie können aber eine wertvolle zusätzliche Perspektive auf eine Entscheidung eröffnen.

 

Was passiert, wenn der Kopf einmal nicht entscheiden muss?

Gerade bei großen Entscheidungen denken wir oft ununterbrochen:

Was ist vernünftig?

Was kostet mich ein Umzug?

Was ist mit meinem Besitz?

Was sagen die anderen?

Was wäre sicherer?

Was wäre besser für meine Zukunft?

All diese Fragen sind wichtig.

Aber sie erzählen nicht immer die ganze Geschichte.

Eine Aufstellung kann helfen, zusätzlich wahrzunehmen:

Wie fühlt sich diese Möglichkeit für mich an?

Und genau das machte die Klientin bei den verschiedenen Sesseln.

 

„Das Andere“ brachte plötzlich Freude

Besonders spannend wurde es beim Sessel für „Das Andere“.

Hier entstand bei der Klientin eine ganz andere Körperwahrnehmung.

Sie beschrieb ein Kribbeln und ein Gefühl, das sie selbst als eine Art „Wurdeln“ bezeichnete.

Es fühlte sich lebendig an.

Da war Freude.

Und plötzlich bekam ihre bisher noch sehr unklare Vision eine Form.

Sie erzählte von einem Gemeinschaftsprojekt.

Ein Ort, an dem Menschen miteinander leben.

Wo gemeinsam gekocht wird.

Wo getanzt wird.

Wo Unternehmungen stattfinden.

Wo Gemeinschaft und Verbindung möglich sind.

Das war interessant, denn bisher hatte sie noch keinen konkreten Plan.

Sie wusste nicht:

Wo soll dieser Ort sein?

Wie soll das funktionieren?

Wann soll es passieren?

Aber etwas in ihr schien auf diese Vorstellung positiv zu reagieren.

 

Und dann kam keine klare Antwort

Vielleicht erwartest du jetzt, dass die Aufstellung zu dem Ergebnis führte:

„Du musst aus deinem Haus ausziehen.“

Doch genau das geschah nicht.

Als die Klientin die Augen schloss und ich sie fragte, ob Bilder zu dieser neuen Lebensvision auftauchten, sagte sie sinngemäß:

„Nein. Ich spüre nur eine Anbindung und mehr Ruhe.“

Das war eine wichtige Information.

Denn nicht jede Aufstellung liefert eine sofortige konkrete Handlungsanweisung.

Manchmal zeigt sie vielmehr:

Noch nicht.

Und genau das war in diesem Fall das Ergebnis.

Die Zeit für eine große Veränderung schien für die Klientin momentan noch nicht reif zu sein.

 

Manchmal ist „noch nicht“ eine wichtige Antwort

Wir leben in einer Zeit, in der wir gerne schnelle Entscheidungen treffen.

Wenn etwas nicht mehr passt, soll sofort eine Veränderung her.

Neuer Job.

Neue Wohnung.

Neuer Partner.

Neues Leben.

Doch manchmal braucht eine Veränderung Zeit.

Vielleicht ist die Vision bereits da, aber die äußeren Umstände sind noch nicht bereit.

Vielleicht muss zuerst etwas anderes geschehen.

Vielleicht darf man zunächst Kraft sammeln.

Oder den aktuellen Lebensraum so verändern, dass man sich wieder wohler fühlt.

Für meine Klientin bedeutete das:

Sie durfte zunächst in ihrem Haus bleiben.

Aber nicht einfach so weitermachen wie bisher.

Es ging darum, ihren Umgang mit dem Haus und seiner Umgebung neu zu gestalten.

 

Was, wenn nicht das Haus das Problem ist – sondern die Beziehung dazu?

Ein wichtiger Aspekt in dieser Aufstellung war die Frage:

Was kann ich verändern, ohne sofort mein gesamtes Leben verändern zu müssen?

Meine Klientin empfand die Umgebung als belastend. Die Geschichte des Ortes beschäftigte sie sehr.

Dabei möchte ich ausdrücklich unterscheiden:

Historische Orte und Gedenkstätten erinnern an reale Ereignisse und an Menschen, die großes Leid erfahren haben. Wenn jemand an einem solchen Ort intensive Gefühle wahrnimmt, kann diese Erfahrung sehr persönlich und emotional sein.

Ob ein Ort darüber hinaus tatsächlich „Energien“ trägt, lässt sich nicht objektiv feststellen.

Für die Arbeit in der Aufstellung war jedoch entscheidend, dass die Klientin ihre Umgebung als belastend erlebte.

Und genau damit konnten wir arbeiten.

 

Den eigenen Wohnraum wieder als eigenen Raum erleben

Da ich neben meiner Arbeit mit Aufstellungen auch als Raumenergetikerin arbeite, konnten wir anschließend überlegen, welche Veränderungen für die Klientin stimmig sein könnten.

Nicht mit dem Ziel, die Geschichte des Ortes auszulöschen.

Das ist weder möglich noch sinnvoll.

Sondern mit dem Gedanken:

„Wie kann ich meinen Wohnraum so gestalten, dass er sich für mich wieder wie mein eigener geschützter Lebensraum anfühlt?“

Wir sammelten verschiedene Möglichkeiten.

Dazu gehörten Ideen für:

  • die Gestaltung des Grundstücks,
  • den Umgang mit dem Gedenkstein,
  • eine bewusste räumliche Abgrenzung,
  • Veränderungen im Haus,
  • persönliche Schutz- und Rückzugsräume,
  • Rituale, die der Klientin ein Gefühl von Abschluss und Klarheit geben,
  • und Möglichkeiten, die eigene Aufmerksamkeit wieder stärker auf das eigene Leben zu richten.

Für meine Klientin waren dabei unter anderem lila Lichtvorstellungen und Lichtkristalle stimmig.

Ob solche symbolischen oder energetischen Methoden hilfreich sind, erlebt jeder Mensch unterschiedlich. Für manche Menschen sind sie ein kraftvolles Ritual und eine Möglichkeit, innere Prozesse sichtbar zu machen. Andere bevorzugen ganz praktische Veränderungen ihrer Wohnumgebung.

Entscheidend ist für mich:

Es muss zu dir passen.

 

Deine Vision darf zuerst einmal eine Vision sein

Eine der schönsten Erkenntnisse aus dieser Aufstellung war für mich die Vision des Gemeinschaftsprojekts.

Denn die Klientin musste nicht sofort wissen, wie sie diese Vision umsetzen kann.

Sie darf sie zunächst einmal festhalten.

Aufschreiben.

Bilder sammeln.

Gefühle dazu wahrnehmen.

Vielleicht ein Visionboard gestalten.

Vielleicht notieren:

Wie möchte ich leben?

Mit welchen Menschen möchte ich meinen Alltag verbringen?

Wie soll sich mein Zuhause anfühlen?

Was möchte ich gemeinsam mit anderen erleben?

Was soll in meinem Leben mehr Raum bekommen?

Eine Vision muss nicht sofort ein konkreter Plan sein.

Manchmal braucht eine Idee Zeit, um zu wachsen.

 

Was eine Aufstellung bei einer Entscheidung leisten kann

Eine Familien- oder systemische Aufstellung kann keine Zukunft vorhersagen.

Sie kann dir auch nicht garantieren, welche Entscheidung objektiv die richtige ist.

Aber sie kann dir helfen, eine Situation aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Gerade bei schwierigen Entscheidungen kann das wertvoll sein.

Eine Aufstellung kann beispielsweise dabei unterstützen,

  • verschiedene Möglichkeiten sichtbar zu machen,
  • innere Widerstände wahrzunehmen,
  • bisher übersehene Alternativen zu entdecken,
  • eigene Bedürfnisse besser zu erkennen,
  • eine Vision konkreter werden zu lassen,
  • zwischen „Ich sollte“ und „Ich möchte“ zu unterscheiden,
  • mehr Vertrauen in die eigene Entscheidungsfähigkeit zu entwickeln.

Die Entscheidung bleibt dabei immer bei dir.

 

Was ich aus dieser Aufstellung mitgenommen habe

Für mich war diese Aufstellung wieder ein schönes Beispiel dafür, dass eine Lösung nicht immer dort liegt, wo wir sie zunächst suchen.

Die Klientin kam mit einer scheinbar einfachen Frage:

„Soll ich in meinem Haus bleiben oder soll ich gehen?“

Am Ende lautete die Antwort nicht einfach „bleiben“.

Es entstand vielmehr ein neuer Weg:

Jetzt bleiben.

Den eigenen Raum stärken.

Die eigene Kraft wiederfinden.

Und gleichzeitig die Vision eines anderen Lebens wachsen lassen.

Vielleicht wird diese Vision irgendwann Wirklichkeit.

Vielleicht entwickelt sie sich auch ganz anders.

Das muss heute noch nicht feststehen.

 

Vielleicht kennst du dieses Gefühl

Vielleicht stehst auch du gerade vor einer Entscheidung.

Du spürst, dass etwas nicht mehr passt.

Aber du weißt nicht, was die Alternative sein könnte.

Vielleicht geht es um dein Zuhause.

Deine Partnerschaft.

Deinen Beruf.

Eine Trennung.

Einen neuen Lebensabschnitt.

Oder um eine Entscheidung, bei der dein Kopf hundert Argumente findet – aber dein Inneres keine Ruhe.

Dann kann eine systemische Aufstellung im Einzelsetting eine Möglichkeit sein, genauer hinzuschauen.

Du musst dafür keine Erfahrung mit Familienaufstellungen haben.

Du brauchst auch nicht zu wissen, was bei einer Aufstellung passieren soll.

Du bringst einfach dein Thema mit.

Die Sessel, die verschiedenen Positionen und die Wahrnehmungen im Raum helfen dabei, deine Situation aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten.

Und manchmal entsteht daraus genau das, was wir bei großen Entscheidungen so dringend brauchen:

Klarheit.

Nicht unbedingt die Antwort auf alle Fragen.

Aber einen nächsten Schritt, der sich für dich stimmig anfühlt.

 

Familienaufstellung im Einzelsetting in Wilhering

Wenn du vor einer wichtigen Entscheidung stehst oder das Gefühl hast, in deinem Leben festzustecken, begleite ich dich gerne mit einer Familienaufstellung.

Wir arbeiten dabei mit Sesseln und anderen einfachen Hilfsmitteln. Du musst deine Familie nicht mitbringen und auch keine Erfahrung mit Aufstellungen haben.

Ort: Wilhering
Dauer: ca. 60 Minuten
Kosten: 95 €

Vielleicht ist jetzt noch nicht die Zeit für die große Veränderung.

Vielleicht ist sie aber auch näher, als du denkst.

Manchmal beginnt Klarheit nicht mit einer Entscheidung – sondern damit, dass wir uns erlauben, alle Möglichkeiten anzuschauen.